ISO 9001:2026 ist veröffentlicht
Die neue Ausgabe der ISO 9001 wurde am 16. September 2026 veröffentlicht und ersetzt die inzwischen elf Jahre alte ISO 9001:2015. Für zertifizierte Unternehmen beginnt damit eine dreijährige Übergangsphase. Diese Revision ist keine grundlegende Neuordnung des Qualitätsmanagements. Prozessansatz, Kundenorientierung, risikobasiertes Denken und fortlaufende Verbesserung bleiben praktisch erhalten.
Deutlicher hervorgehoben werden allerdings die Verantwortung der Führung, die Qualitätskultur und ethisches Verhalten, die Verbindung zwischen Qualitätspolitik und strategischer Ausrichtung sowie der differenzierte Umgang mit Risiken und Chancen. Ein neuer Anhang A erläutert außerdem Begriffe und die beabsichtigte Anwendung einzelner Anforderungen.
Für Unternehmen der Lebensmittelwirtschaft ist die Revision besonders interessant, wenn das Qualitätsmanagement mit einem Lebensmittelsicherheitsmanagementsystem nach ISO 22000 oder FSSC 22000 integriert ist. Die Umstellung betrifft dann nicht nur ein einzelnes Handbuch, sondern die gesamten gemeinsam genutzten Führungs- und Unterstützungsprozesse.
Welche Übergangsfristen gelten?
Bereits nach ISO 9001:2015 zertifizierte Unternehmen müssen die Umstellung bis zum 30. September 2029 abgeschlossen haben. Das kann im Rahmen eines Überwachungs- oder Rezertifizierungsaudits oder in einem separaten Übergangsaudit durchgeführt werden.
Ab dem 31. März 2028 dürfen neue und erstmalige Zertifizierungen nur noch nach der neuen ISO 9001:2026 ausgestellt werden. Unternehmen sollten die konkrete Planung frühzeitig mit ihrer gewählten Zertifizierungsstelle abstimmen. Entscheidend ist nicht nur der Endtermin: Vor der Umstellung müssen die nötigen Änderungen bewertet, erforderliche Maßnahmen umgesetzt und deren Wirksamkeit intern überprüft werden.
Ein sinnvoller Zeitplan sollte deutlich vor dem geplanten Übergangsaudit ansetzen. Wer bis 2029 wartet, riskiert Engpässe bei Schulungen, internen Audits und den verfügbaren Auditterminen.
Was bedeutet die Revision für integrierte Systeme?
ISO 9001 und ISO 22000 folgen derselben harmonisierten Grundstruktur für Managementsystemnormen. Dadurch lassen sich viele Anforderungen in einem gemeinsamen System steuern. Die ISO 9001:2026 behält diese Struktur weiterhin bei. Ein vorhandenes integriertes Managementsystem muss also nicht neu aufgebaut werden.
Geprüft werden sollten vor allem die Prozesse, welche für Qualität und Lebensmittelsicherheit gemeinsam genutzt werden:
- Kontext der Organisation und interessierte Parteien
- Führung, Verantwortlichkeiten und Managementkultur
- Politik und messbare Ziele
- Bewertung von Risiken und Chancen
- Kompetenz, Bewusstsein und interne Kommunikation
- Steuerung dokumentierter Informationen
- interne Audits und Managementbewertung
- Korrekturmaßnahmen und fortlaufende Verbesserung
Die stärkere Betonung der Verantwortung der Führung, der Qualitätskultur, des ethischem Verhaltens sowie Chancen sollte sich in Protokollen, Verantwortlichkeiten und dokumentierten Nachweisen wiederfinden. In einem integrierten System bietet es sich an, diese Themen gemeinsam zu bewerten, statt parallele Verfahren für jede Norm aufzubauen.
Die fachlichen Anforderungen der Lebensmittelsicherheit bleiben davon zu unterscheiden. Gefahrenanalyse, PRPs, Rückverfolgbarkeit, Notfallvorsorge oder die Steuerung von CCPs und OPRPs werden nicht durch die ISO 9001:2026 ersetzt oder verändert.
ISO 9001:2026 und FSSC 22000 Version 7.0
Für FSSC-zertifizierte Unternehmen laufen in den kommenden Jahren zwei Übergänge nebeneinander. FSSC 22000 Version 7.0 wurde im Mai 2026 veröffentlicht. Audits müssen noch bis 30. April 2027 nach Version 6 durchgeführt werden. Upgrade-Audits nach Version 7 müssen ab dem 1. Mai 2027 durchgeführt werden und bis zum 30. April 2028 abgeschlossen sein.
DIe FSSC 22000 Version 7.0 basiert weiterhin auf der ISO 22000:2018, ergänzt um die neue ISO-22002-x-Reihe für Präventivprogramme und die zusätzlichen Anforderungen des FSSC-Schemas. Die neue ISO 9001 verändert weder diese Grundlage noch ein bestehendes FSSC-Zertifikat.
Trotzdem sollten beide Projekte aufeinander abgestimmt werden. Gemeinsame Schulungen, eine übergreifende Gap-Analyse und kombinierte interne Audits können Doppelarbeit vermeiden. Änderungen an Führung, Kommunikation, Dokumentenlenkung oder Managementbewertung sollten von Anfang an für das gesamte Managementsystem geplant werden.
Auch die ISO 22000 wird überarbeitet
Die derzeit gültige ISO 22000:2018 befindet sich ebenfalls in Revision. Ein Entwurf der nächsten Ausgabe liegt bereits vor und die Veröffentlichung der finalen Version könnte in den nächsten Monaten kommen. Damit kündigt sich vermutlich bereits die nächste Version 8.0 von FSSC 22000 am Horizont an. Solange diese neue Fassung nicht veröffentlicht und die Übergangsregelungen festgelegt sind, bleibt für Zertifizierungen die ISO 22000:2018 maßgeblich.
So gelingt die Vorbereitung
Für Unternehmen mit einem integrierten System empfiehlt sich ein gemeinsamer Umstellungsplan:
- Änderungen bewerten: Die ISO 9001:2026 mit dem bestehenden Managementsystem abgleichen und relevante Lücken dokumentieren.
- Übergänge koordinieren: Termine für FSSC 22000 Version 7 und ISO 9001:2026 mit der Zertifizierungsstelle abstimmen.
- Gemeinsame Prozesse zuerst bearbeiten: Führung, Ziele, Risiken und Chancen, Kompetenz, interne Audits und Managementbewertung integriert betrachten.
- Verantwortliche einbeziehen: Führungskräfte und Prozesseigner über die Änderungen und ihre Aufgaben informieren.
- Wirksamkeit nachweisen: Anpassungen vor dem Übergangsaudit intern prüfen und in der Managementbewertung behandeln.
Fazit
Die ISO 9001:2026 verlangt keinen Neustart des Qualitätsmanagementsystems. Für Unternehmen mit ISO 22000 oder FSSC 22000 bietet die Revision vielmehr die Gelegenheit, gemeinsam genutzte Prozesse zu vereinfachen und klarer mit der Unternehmensstrategie zu verbinden.
Wichtig ist eine saubere Trennung der Zertifizierungsverfahren: Das FSSC-Upgrade auf Version 7.0 endet bereits im April 2028, während für ISO 9001:2026 eine Übergangsfrist bis September 2029 gilt. Wer beide Vorhaben in einem abgestimmten Projekt bearbeitet, kann Überschneidungen nutzen, ohne die unterschiedlichen Anforderungen und Fristen miteinander zu vermischen.